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09.08.2019 ⁄ 125 METER HOCH: DAS IST WISMARS NEUER KRAN-GIGANT

40 Meter ragt der neue Gigant von Wismar bereits in die Höhe – in einigen Tagen kommt das nächste große Teilstück drauf. Anfang September ist der Kran dann fast 125 Meter hoch und überragt alle anderen Gebäude der Stadt.

Groß, größer, am höchsten: Der neue Kran-Gigant von MV Werften hat das Zeug, ein künftiges Wahrzeichen von Wismar zu werden – zumindest was seine Maße angeht. Denn mit einer Höhe von 124,5 Metern überragt er alle anderen Gebäude in der Hansestadt. Und das wird schon sehr bald der Fall sein.

Denn bereits seit Mitte Juni sind zwölf Männer dabei, den Mega-Kran auf dem Wismarer Werftgelände aufzubauen. In wenigen Tagen soll der Kran schon rund 60 Meter messen. Ende November wird die XXL-Hebemaschine dann komplett sein und für den Bau riesiger Kreuzfahrtschiffe eingesetzt.

Ähnlicher Kran steht in Bahrain für Reparatur von Bohrinseln

Zurzeit ist in Wismar der 80 Meter hohe Marienkirchturm von überall zu sehen. Der neue Kran toppt den um weitere 45 Meter. „Der Zusammenbau findet fast komplett unten am Boden statt“, erklärt Toralf Howack. Er ist Bauleiter bei Kocks Ardelt. Von der Firma – ehemals Kranbau Eberswalde – stammen so gut wie alle Krane auf der Wismarer Werft.

Beim XXL-Neuzugang für MV Werften handelt es sich um den Bautyp „Tukan S“. Einen ähnlich großen Kran hat das Unternehmen aus Brandenburg vor vier Jahren im Königreich Bahrain aufgebaut. Mit dem werden seither in einer Werft am Persischen Golf Bohrinseln und -schiffe repariert sowie instand gesetzt. Auch der Werftkran in Bahrain ist einer der größten in der dortigen Region.

Teile sind auf dem Seeweg nach Wismar geliefert worden


Wismar hat bald einen der größten Montagekrane in Doppellenkerausführung der Welt – passend zu den gigantischen Dimensionen der neuen Kreuzfahrtschiffe der „Global Class“. Die Ozeanriesen werden seit 2018 an den MV-Werften-Standorten Wismar und Rostock-Warnemünde gebaut. Sie haben Platz für bis zu 9500 Passagiere.

Ende diesen Jahres wird das Mittelstück des ersten Schiffes auf dem Wasserweg von Rostock nach Wismar gebracht. Hier wird das nach Passagierzahl größte Kreuzfahrtschiff der Welt dann komplettiert. Am Ende soll es 342 Meter lang, 46 Meter breit und 74 Meter hoch sein.

25-Meter-Stützen geben der Konstruktion den nötigen Halt

Genau wegen dieser gigantischen Maße brauchen die Wismarer einen Mega-Kran. Das 14 Meter hohe, blaue Portal, auf dem alles fußt, steht bereits seit ein paar Tagen an der Wasserkante. Am Donnerstag ist darauf das erste längere Teilstück montiert worden. Nur knapp eine Stunde hat das gedauert. Zwei Krane haben die 25 Meter hohe Röhre in die Luft gehievt und halten es dort so lange fest, bis es mit Hilfe von vier Riesenstützen (25 Meter lang und 10 Tonnen schwer) auf dem Portal befestigt ist. Diese Arbeiten haben am Donnerstag begonnen und dauern vermutlich noch einige Tage.

Schlosser haben dabei im Inneren viel Muskelkraft gezeigt. Denn zusammengehalten wird der Mega-Kran unter anderem mit jeder Menge Schrauben. Die sind sehr viel größer als die, die man aus dem Baumarkt kennt. Benjamin Schröter, Vorarbeiter bei Kocks Ardelt, bereitet alle für den Einbau vor. Damit die Arbeiten zügig vorangehen, sind die Schrauben in nummerierten Paketen unterschiedlicher Größe verstaut.

Durch die Zahlenfolge weiß Schröter, an welchen Stellen sie eingebaut werden müssen, damit alles passt. So kann er immer genau die Teile heraussuchen, die gerade gebraucht werden. Die bekommen von ihm dann jeweils noch Unterlegscheibe und Mutter und werden dann in eine Sammelbox gelegt. „In die müssen die Schlosser dann nur noch hineingreifen“, erklärt der Vorarbeiter. Bauleiter Howack ist zufrieden: „Wir liegen im Zeitplan“, freut er sich. Für die Montage in luftiger Höhe brauche man ein bisschen Courage: „Es ist schließlich kein Lego-Baukasten, mit dem wir spielen“, lacht er.

Kranfahrer arbeiten künftig in einer Höhe von 72 Metern


An der ersten langen Röhre gibt es außen einen Aufstieg. Am nächsten Kranteil, das 27 Meter lang ist, befindet sich die Treppe im Inneren. „So kommen die Kranführer auch hoch und runter, wenn der Fahrstuhl mal nicht funktionieren sollte“, erklärt Toralf Howack.

Auch der Arbeitsplatz der Kranfahrer – die Kabine – wird bereits am Boden zusammengebaut und ausgestattet. Danach wird er in einer Höhe von 72 Metern, am Ende der zweiten Röhre befestigt. Dort befindet sich auch die 95 Tonnen schwere Plattform. Die ist mit moderner Technik ausgerüstet, die den Kran am Laufen hält. Per Joystick werden künftig schwere Teile auf die Schiffsneubauten gehoben – und zwar die, die nicht in der Werfthalle eingebaut werden können. „Zum Beispiel der Themenpark und die Schornsteine“, erklärt Dockmeister Thomas Schmitz.

Für die neuen Giganten wird die alte Kaianlage saniert


Für den neuen Kran-Giganten und die riesigen Kreuzfahrtschiffe wird seit November 2018 die aus den 1960er-Jahren stammende Kaianlage modernisiert. Grund: Die Schiffe bieten dem Wind eine große Angriffsfläche. Deshalb muss ein neues, starkes Uferbauwerk her. „Die Poller brauchen eine deutlich höhere Zuglast, damit die Schiffe auch bei heftigem Wind sicher liegen“, erklärt der Dockmeister. Die alten Poller hätten die neuen Schiffsneubauten nicht halten können und wären herausgerissen worden.

Ein großer Teil der Kai-Oberfläche ist deshalb mit einer Mischung aus Beton und Metallstäben (Bewehrungsstahl) verstärkt worden – auch um den Kran zu halten. Der wird darauf künftig auf Schienen unterwegs sein. 40 Meter legt er in der Minute zurück – aber erst dann, wenn die Kaianlage fertig ist.

Teile für den Mega-Kran sind auf dem Seeweg geliefert worden

Voraussichtlich bis Juli 2020 dauert die Modernisierung der Kaianlage. Kostenpunkt: 34 Millionen Euro. Insgesamt sind es mehr als 100 Millionen Euro, die allein am Standort Wismar vom Gesellschafter von MV Werften, der asiatischen Genting-Gruppe, investiert werden. In der Summe enthalten ist auch die Landstrom­versorgung, die bereits installiert wurde.

Die Teile für den Kran sind per Schiff angeliefert worden – unter anderem aus Polen. Auch aus Ungarn stammen einige Komponenten. Die Technikplattform kommt aus Deutschland – der gelbe Kasten und auch das Maschinenhaus werden voraussichtlich Ende August montiert. Darüber kommt dann das Lenkersystem mit dem Ausleger. Der wird genau wie die anderen Teilstücke mit Hilfe eines anderen Krans nach oben gehoben.

Firma hat bereits zwei weitere Bestellungen aus Südkorea

Nach dem kompletten Aufbau ist der neue Werftkran höher als die Schiffshalle und hat eine Tragkraft von 75 Tonnen. Aufgrund seiner Höhe ist er für den späteren Betrieb als Lufthindernis angemeldet.

Der Auftrag für MV Werften ist nicht der letzte Mega-Auftrag für die Firma Kocks Ardelt. Zwei neue Bestellungen des XXL-Krans sind bereits aus Südkorea eingegangen – ebenfalls für den Schiffbau.

Im Land ist der neue Riese von Wismar aber nur die Nummer zwei. Er muss sich in puncto Höhe einem Giganten geschlagen geben, der kommende Woche in Rostock offiziell in Betrieb genommen wird: Der Hafenkran TCC 78000 von Liebherr ist nicht nur im Nordosten, sondern weltweit der leistungsstärkste Hafenkran. Er misst sogar 164 Meter und kann drei voll betankte Airbus A 380 oder 1000 VW Golf auf einmal heben. 1600 Tonnen schafft der neue Hafenkran im Rostocker Seehafen.


Quelle: https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Wismar/125-Meter-hoch-Wismars-neuer-Kran-Gigant-ist-da    


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